Der Dackel hat sich seine Meriten nicht nur als treuer Freund und alleine schon wegen seiner handlichen Größe ständiger Begleiter des Jägers erworben, gerade wegen seiner Größe ist der Dackel auch prädestiniert als Begleithund seines durstigen Herrchens bei den für die Bekämpfung des Durstes erforderlichen Wirtshausbesuchen. Dabei kommt dem Dackel nicht nur seine Größe, sondern auch sein Mut und seine Eigenständigkeit zugute. Es sind dies zwei Eigenschaften, die mancher standfeste Wirtshausfreund auch gerne gegenüber seinem heimischen Hausdrachen zeigen würde, wenn er sich denn trauen würde. Insoweit wird der Dackel nicht nur geliebt, sondern auch von seinem Herrn bewundert. Im Übrigen ist die Gegenwart des Dackels alleine schon für den Nachhauseweg von Vorteil, denn hat der Herr nach reichlichem Alkoholgenuss nicht mehr das notwendige Orientierungsvermögen, so findet der Dackel auch alleine den Weg, und führt dabei seinen Herrn, der ohne den treuen Hund ziellos umherirren würde, genau wie im Wald auf der Schweißfährte des angebleiten Wildes.
Es ist also nicht verwunderlich, dass dem zivilen Dackel jenseits der jagdlichen Verwendung insbesondere als Bierdackel bzw. als treuer Begleter seines machmal zu durstigen Herrn zu finden sind. So erstaunt es nicht, dass ältere Abbildungen und Lieder über den Bierdackel nahezu ausschließlich aus dem bayerisch-österreichischen Raum zu finden sind, wobei eine erstaunliche Trennung zwischen Bild (nahezu nur Bayern) und Lied (Österreich) festzustellen ist. Der absolute Klassiker ist die Hymne des Wiener Weintrinkers und ständigen Besuchers des Wiener Weinortes Grinzing mit dem eingängigen Text: "Wenn ich mit meinem Dackel von Grinzing heimwärts wackel ...", hier in drei Version aus verschiedenen Zeiten, einer alten (Vorkriegs)-Fassung mit Paul Hörbiger, einer Fassung aus den 50er Jahren mit Heinz Conrads und einer neueren Fassung mit Peter Alexander.
Paul Hörbiger
Heinz Conrads
Peter Alexander
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Spätestens in der Nachkriegszeit zog der Dackel dann aus den Forsthäusern und Jägerhaushalten, die bis dahin seine angestammte Heimat waren, aus und bevölkerte verstärkt die Städte, wo ihm ein mehr oder weniger freudvolles, aber leider jagdloses Dasein beschieden war.
Musikalisch machte sich in dieser Zeit Paul Kuhn verdient um den Dackel, er stellte fest, dass der Kneipendackel nicht nur ein treuer Pfadfinder für den Nachhauseweg seines angetrunkenen Herrn ist, sondern auch große Qualitäten bei im Großstadtdschungel stattfindenen Jagd auf "Stöckelwild" hat. Der erhebliche Flirtfaktor des Dackels war entdeckt und wurde besungen.
Paul Kuhn - Mein Dackel Waldemar
Das Foto links zeigt die Schauspielerin und spätere Fernsehmoderatorin und Ärztin Marianne Koch mit einem Dackel, ganz im Stil der 50er/60er Jahre.
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Die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts waren nicht nur die Zeit von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder, Gemütlichkeit und Heimatfilm in knalligen Farben, es war auch die Zeit der Teilung Europas und des kalten Krieges. Kriege und Krisen zwischen den Supermächten folgten ohne Pause, und in Österreich nutzte Georg Kreisler den Kneipendackel - in seinem Lied ein Hund ohne nähere Ausführungen zur Rasse - um über die auch für das neutrale Österreich politisch brisanten Zeiten zu philosophieren und seiner Sorge um seinen Hund Ausdruck zu geben, bis er resginiert zum Ergebnis kommt, dass er gar keinen Hund braucht.
Georg Kreisler - Der Hund
Im Jahr 1969 hat der seit nun über 40 Jahren erfolgreiche Liedermacher Reinhard Mey das Album "Ankomme Freitag den 13." in die Welt gesetzt. In dem auf diesem Album enthaltenen gleichnamigem Lied beschreibt er den Streß vor der Ankunft der angekündigen Liebsten, und welchen Streß insbesondere sein Dackel Justus dabei verursacht.
Reinhard Mey - Ankomme Freitag den 13.
Hier die den Dackel betreffenden Auszüge aus dem Liedtext:
...So tapp‘ ich zum Briefschlitz durch den Flur unwegsam, Falle über meinen Dackel Justus auf ein Telegramm. ... ... Kopfkissen neu beziehen und Knopf an Hose näh‘n. Tischdecke wechseln, – ist ja total zerrissen, Hat wahrscheinlich der kriminelle Dackel auf dem Gewissen, Und wahrscheinlich war der das auch an der Gardine! „Ankomme Freitag, den 13., um 14 Uhr, Christine!“ ... ... Rein in den Fahrstuhl und Erdgeschoß gedrückt. Der Fahrstuhl bleibt stecken, der Dackel wird verrückt. ... Den Dackel anbinden vor‘m Laden, aber mich lassen sie rein, ... Rabatz vor der Tür, der Dackel hat sich losgerissen Und aus purem Übermut einen Polizisten gebissen. .... ... „Sind Sie der Halter dieses Dackels? Bitte mal Ihre Papiere!“ Das ist mir besonders peinlich, weil ich Papiere immer verliere. Ich schimpfe, ich weine, ich verhandle und lache. „Das kennen wir schon, komm‘ Se mit auf die Wache!“ ...
Das Album finden Sie über das Cover verlinkt bei Amazon.de.
Reinhard Mey hat in diesem Album und mit dem Cover des Albums nicht nur seinem Dackel ein ewiges Denkmal gesetzt, er hat sich mit seinem ebenfalls auf diesem Album veröffentlichten Lied von der Diplomatenjagd auch ganz allgemein um das Jagdwesen und die Brauchtumspflege verdient gemacht.