| 09.06.2006 - MdB Wellmann und sein Dackel Paul |
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Der Tagesspiegel, Berlin, 09.06.2006: Teure TierliebeDie Feuerwehr holte den Dackel aus dem Fuchsbau. Seit 2005 kostet so was. Gelöscht und gerettet wird umsonst. Für alles andere kassiert die Feuerwehr – und nicht zu knapp. Gestern wurde eine Rechnung abgeschickt, Adressat: der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann, dessen Dackel namens Paul vom Jagd-Instinkt Ende April in einen Fuchsbau getrieben wurde, und zwar so tief, dass er nicht mehr alleine hinaus fand. Wellmann wählte die 112, die Feuerwehr rückte mit vier Autos aus und brauchte ( wie berichtet) viereinhalb Stunden, um das Tier zu bergen. Die gestern abgesandte Rechnung für diesen Dienst lautet auf genau 5286,70 Euro.
Dazu Spiegel-Online, 09.06.2006: FEUERWEHREINSATZCDU-Mann muss 5000 Euro für Dackelbefreiung zahlenKarl-Georg Wellmann, seines Zeichens Bundestagsabgeordneter der CDU, ist sein Dackel lieb und vor allem teuer. Das Tier war in seinem Leichtsinn in einem Fuchsbau verschwunden. Die Feuerwehr kam, rettete - und kassiert jetzt. Berlin - Wellmann wird in Kürze eine hohe Rechnung zugehen. Nach einem Bericht des "Tagesspiegel" soll der Politiker exakt 5286,70 Euro berappen. Wellmanns Dackel war Ende April in einen Fuchsbau gekrochen und nicht mehr frei gekommen. Die Feuerwehr eilte zu Hilfe. Die Rechnung für Wellmann ergibt sich dem Bericht zufolge aus der Gebührenordnung: 3873 Euro für die Technik, für Personal 1402,20 Euro und 11,50 Euro Gebühren. Um den Dackel aus dem Fuchsbau zu holen, hatte man sogar einen Radlader eingesetzt, der 20 Kubikmeter Erde beiseite schaufelte. Berlin verlangt seit einiger Zeit für selbst verschuldete Feuerwehreinsätze Gebühren. Pro Jahr wollen die Behörden etwa fünf Millionen Euro für die Landeskasse einnehmen. dab/dpa
Unser KommentarWenn es nicht Über den Dackel, an sein Leiden im Bau (aus dem er mit eigener Kraft nicht mehr herauskam) und über das Leid, dass dem Dackel und seinem Herrn widerfahren wäre, wenn denn die Feuerwehr den Dackel nicht gerettet hätte und er im Bau hätte bleiben müssen, schweigt sich die Journaille aus. Das wäre schließlich keine Schlagzeile wert. Aber weil es einen "Großkopferten" erwischt hat, der dann auch gleich richtig zur Kasse gebeten wurde, ist die Journaille auf die Geschichte angesprungen wie ein Dackel auf seinen Knochen. Bei allem Verständnis für die leeren Kassen der öffentlichen Hand ist es aber eine Schande, dass das Leben eines in Baunot geratenen Dackels in Berlin künftig von der Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit seines Besitzers abhängig ist. Hoffentlich macht das Beispiel von Berlin keine Schule, und möge vor allem keinem Dackel das Schicksal beschieden werden, im Bau bleiben zu müssen, weil die für die Bergung erforderlichen Mittel nicht aufgebracht werden können.
Nachtrag:BZ Berlin - Online - vom 28.06.2006 Bundestag sperrt CDU-Dackel ausDer leidgeprüfte Hund des Abgeordneten Wellmann durfte nicht in den Reichstag "Paul" heißt er, ist Politiker-Dackel und Medien-Star. Doch trotzdem durfte er mit CDU-Herrchen Karl-Georg Wellmann (53) gestern nicht in den Deutschen Bundestag. Denn im Reichstag gilt für Vierbeiner: Wir müssen draußen bleiben. Wellmann führte die Feuerwehrmänner von der Wache Wannsee durch den Bundestag. Als Dankeschön dafür, daß sie Ende April in einer 5stündigen Aktion seinem Dackel das Leben retteten. Der kleine Hund hatte sich in einem Fuchsbau verklemmt. Geld rettet Leben. Langhaar-Dackel Paul (12) weiß das. Stolz posiert er als Politik-Maskottchen. Fast so wie "Bastian", der Dackel, mit dem Eberhard Diepgen damals in den Wahlkampf startete. Heimlich ins Büro geschmuggelt Ob Wellmann auch Paul im Wahlkampf einsetzen will? "Ich weiß es nicht - er ist so publikumsscheu." Vielleicht schafft es Paul ja doch noch mal in den Reichstag. Im Paul-Löbe-Haus der Bundestags-Abgeordneten war er immerhin schon. Wellmann: "Ich habe ihn heimlich mit ins Büro geschmuggelt."
Unser Kommentar:Warum soll ein Dackel auch in den Bundestag dürften - wo doch sonst nur Halbdackel da herumlungern. |






